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Ob Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke, Stuttgart 21 oder die Proteste gegen die geplanten Flugrouten des künftigen Großflughafens BBI, immer mehr Bürger drücken ihren Unmut über politische und wirtschaftliche Entscheidungen in Protestbewegungen aus.
Über die Folgen für Politik, Gesellschaft und Investitionen sprach die BERLINboxx mit dem Vorsitzenden der Berliner Pressekonferenz, Thomas Klein.

BERLINboxx: Bürgerproteste und Demonstrationen gegen politische Entscheidungen und Investitionen nehmen offensichtlich zu, formiert sich in Deutschland eine „Dagegen-Bewegung“ und welche Folgen kann das für Investoren haben?

Klein: Diese Proteste, wie etwa gegen Stuttgart 21, sind für mich Ergebnis einer fehlenden Kommunikation auf der politischen Seite. Dieses Versagen der Politik lässt sich von Investoren nicht reparieren. Deshalb ist ein eigenes strategisches Konzept umso wichtiger, sie sollten nicht dieselben Fehler machen, wie Verwaltung und Mandatsträger. Der Entscheidung für eine Investition, egal in welcher Größenordnung, gehen immer intensivste Prüfungen voraus. Deshalb gibt es gute Gründe dafür, das gilt nicht nur für einen Bahnhof in Stuttgart, sondern für jedes Bauprojekt. Genau das ist der Kern der Strategie, dessen muss sich jeder Investor erst einmal bewusst sein, wenn er für sein Projekt eine öffentliche Akzeptanz möchte.

BERLINboxx: Trotzdem schützt der eigene Glaube an das Gute des Projekts nicht vor Ablehnung und Protest. Wie können Investoren im Vorfeld solche Konflikte vermeiden?

Klein: Eine Analyse mit einer eingehenden Risikobewertung ist wichtig. Danach erfolgt ein Konflikt-Controlling mit der Bestimmung einer Navigation, die den Investor sicher ans Ziel bringt. Mit der nötigen Kenntnis über die örtlichen Strukturen, die Zusammenhänge von Politik und öffentlicher Meinung, oft auch Meinungsmache, können wir Risiken weitgehend ausschalten. Das sind allerdings Prozesse, die nicht selten in sehr hoher Geschwindigkeit ablaufen müssen. Bei den heutigen technischen Möglichkeiten der Kommunikation müssen sie auf Aktionen gut vorbereitet sein, um rasch handeln zu können.

BERLINboxx: Es ist erstaunlich, wie gut organisiert inzwischen Bürgerinitiativen und Protestgruppen sind. Was steckt hinter dieser Motivation, gestiegenes Selbstbewusstsein, eine Anti-Haltung gegen die Politiker oder gibt es andere Gründe?

Klein: Diese Protesthaltung basiert zum Teil auf guten Argumenten. Viele Menschen machen sich Gedanken über Umwelt und Lebensqualität und wollen eine Nachhaltigkeit für ihre Kinder. Diese Sorgen muss man unbedingt ernst nehmen. Ein anderer Teil aber ist professionelle Meinungsmache von Gruppierungen, die meist politisch motiviert und gut organisiert sind. In Berlin habe ich es beispielsweise erlebt, dass Aktionen gegen das Bauprojekt eines Energiekonzerns indirekt aus einer PR-Agentur heraus vorbereitet und gesteuert wurden. Ich frage mich wer die Agentur bezahlt hat? Sicher nicht die Anwohner des damals geplanten Projektes, das letztlich wegen der öffentlichen Kritik abgesagt werden musste und dem Investor Planungskosten in zweistelliger Millionenhöhe verursachten.

BERLINboxx: Wie kann es soweit kommen, wenn doch vorher alle Entscheidungswege gegangen wurden und auch die Politik schließlich dafür entscheidet?

Klein: In der Politik zählt das Wort immer weniger, dafür gibt es leider genügend Beispiele. Deshalb sollten Investoren bei ihrer Strategie immer die Politik einbinden, dafür gibt es besondere kommunikative Möglichkeiten. Ein Dreisatz aus Investition, Öffentlichkeit und Politik schafft eine stabile geometrische Form der Kommunikation. Damit entstehen Verbindlichkeiten und das Risiko eines Versagens der politischen Seite kann aufgefangen werden. Es wird in Zukunft noch viel mehr darauf ankommen, bei der Planung von Projekten auch diese Parameter einzubeziehen, denn ohne eine öffentliche Akzeptanz im Umfeld ist eine Investition bereits in der Planung in ihrer Existenz hoch gefährdet.

BERLINboxx: Hat diese Entwicklung der Protestkultur bereits zu einem Umdenken bei Investoren geführt?

Klein: Ja, Investoren gehen in dieser Hinsicht erheblich verantwortungsvoller vor, als noch vor ein paar Jahren. Es gibt kaum ein Projekt, bei dem das Konflikt-Controlling nicht schon in der Planungsphase mit einbezogen wird. Bei der Risikoanalyse geht es schließlich auch um erhebliche finanzielle Verluste und dagegen möchte sich jeder Investor so gut es geht schützen. Im Blindflug stürzen sich nur Anfänger und Desperados in solch ein Abenteuer.